Die traditionelle Chinesischen Medizin (TCM) sieht den Menschen als energetisches Gefüge.
In unserer westlichen, analytischen Medizin betrachten wir die Menschen als Maschine, die durch das Zerlegen in kleinste Teile verstanden werden kann. Fehlfunktionen versucht man als Einzelfunktion zu behandeln.
Einen anderen Weg zeigt uns die traditionelle Chinesische Medizin. Bei den Chinesen fliesst die Lebensenergie, auch Qi genannt, durch den ganzen Körper wie Flüsse und Seen eine Landschaft durchströmen. Das Qi fliesst in Bahnen, welche an verschiedenen Stellen am Körper von aussen her beeinflusst werden können. Krankheiten entstehen durch Blockaden des Qi-Flusses, schwachen Qi-Fluss oder krankhaftes Qi.

Bereits vor über 2000 Jahren wurde beschrieben, dass eine Einflussnahme auf das Qi durch Einwirken von aussen möglich ist. Die Akupunktur, das Stechen mit der Metallnadel (lat. acus = Nadel, pungere = stechen), ist die geläufigste Form der Einflussnahme. eine weitere Form ist das Abbrennen von in Stangenform gepresstem Artemisia-Kraut (Beifuss) an einem Akupunkturpunkt, auch Moxa-Therapie genannt.

Neben den beiden äusseren Verfahren der chinesischen Medizin wird häufig eine Therapie mit Arzneimitteln angewendet, die eine energetische Einwirkung vom Körperinneren her hat. Die Arzneimittel (chinesische Arzneimitteltherapie) in der traditionellen chinesischen Medizin bestehen aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Stoffen und werden individuell zusammengestellt und als Abkochung (Decoct) oder als Tee über den ganzen Tag verteilt eingenommen.

Als dritte Säule der therapeutischen Verfahren in der chinesischen Medizin ist das Qigong. Qigong bedeutet Qi-Übungen, Umgang mit dem Qi. Spezielle Übungen zielen darauf ab, das Qi im Körper zu harmonisieren, um es in gleichmässigem Fluss zu halten.

Zur traditionellen chinesischen Medizin gehört auch das Thema Ernährung (chinesische Diätetik). Schon vor langer Zeit war man sich bewusst, dass die Nahrung auf den menschlichen Körper Einfluss hat und dass man Nahrungsmittel als milde Therapeutika einsetzen kann. Man bedient sich der Qi-Kraft eines Nahrungsmittels, um auf das Qi im menschlichen Organismus korrigierend einzuwirken.

Ich kam zufällig in Kontakt mit der chinesischen Medizin. Für meine starken Rückenschmerzen, die mich wochenlang ans Bett fesselten, schien es keine Lösung zu geben. Eine Bekannte erzählte mir von einem Professor, der ein Mal wöchentlich Akupunktur in Wollishofen ausführte. Zu der Zeit war die chinesische Medizin noch nicht akzeptiert bei uns und man informierte sich hinter vorgehaltener Hand darüber. Dank der Akupunktur-Therapie erübrigte sich bei meiner Bekannten eine Operation des "Tennisellenbogens".

Acht Akupunktursitzungen zeigten bei mir absolut keine Wirkung. Aber nach der neunten Sitzung fühlte ich mich wie neu. Hoch erfreut fuhr ich zum Tennisplatz und spielte stundenlang intensiv und ausdauernd. Es war wundervoll, meinem Rücken ging es prima - nur mein Ellenbogen schmerzte danach fürchterlich. Bei der nächsten Sitzung beim Professor erwähnte ich dies natürlich mit keinem Wort, immerhin war es ganz eindeutig mein eigener Fehler. Doch der Professor bemerkte ungerührt, dass es meinem Rücken wohl sehr gut gehe - aber mein Ellenbogen habe ein Problem! Ich war verblüfft.

Mein Interesse an dieser Therapieform ist seither ungebrochen. Schon während meines Medizinstudiums in der Schweiz liess ich mich parallel in Akupunktur ausbilden. 1992 hatte ich die Möglichkeit, meine Ausbildung in Peking zu vertiefen. Vormittags arbeitete ich in einem Spital und nachmittags lernte ich mehr über Akupunktur an einer vom WHO anerkannten Universität.